Cheap Super Bowl Jerseys NFL Jerseys Free Shipping Cheap NFL Jerseys Free Shipping
Buch über Emil Manser
Buch über Emil Manser

Am 2.August 2004 schied das Luzerner Stadtoriginal Emil Manser freiwillig aus dem Leben. „Krebs – wählte Abkürzung in Himmel“ stand auf dem Plakat, das er auf dem Reusssteg zurückliess. Jetzt ist eine Initiativgruppe daran, ein Buch über den Strassenphilosophen vorzubereiten. Es soll Mansers Lebensart in Wort und Bild weiterspinnen.

Die Nachricht von Emil Mansers Tod bewegte viele Menschen in Luzern sehr. Zahlreiche Nachrufe, auch in der Presse der übrigen Deutschschweiz, würdigten den Verstorbenen als ausserordentlichen Menschen. An den Orten seines Wirkens wurden Blumengebinde und andere Zeugnisse der Verbundenheit niedergelegt, an einer bewegenden Trauerfeier in der Franziskanerkirche nahmen über 700 Luzernerinnen und Luzerner persönlich Abschied von ihm.
Für Anita Bucher, seine Lebensgefährtin, war es wichtig, die zahlreichen Plakate, die Manser hinterlassen hatte, sicherzustellen. Mit dickem Pinsel hatte ihr lieber schräger Vogel darauf während langen Jahren seine Botschaften geschrieben: „Lieber Ehrfurcht als Angst“ stand da etwa, „Wieviel wert ist ein besserer Herr, wie viel ein gewöhnlicher Mensch?“ oder „Noch ist Wildfremden Grüezi sagen nicht strafbar“.
Dass die raffiniert-hintersinnigen Sprüche fortan ihren Weg zu den Menschen nicht mehr finden sollten, machte Anita Bucher traurig. Mit der Setzung eines Grabsteins im Friedental gelang der tatkräftigen jungen Frau im Frühjahr 2005 dann ein wichtiger erster Schritt zu ihrem Ziel, Mansers Nachlass lebendig zu halten. „Ist mir grosse EHRE von gleicher Sorte zu sein“, vielleicht sein schönster und tiefsinnigster Spruch, ist jetzt in Mansers unverkennbarer Schrift in den Stein gehauen – eine zutiefst menschliche Botschaft, die sich von der üblichen Friedhofssymbolik erfrischend deutlich abhebt – genau wie die auf der Rückseite des Steins eingemeisselte hochgradig ironische Bemerkung „Habe Betriebsferien“. Gleichzeitig suchte Anita Bucher Kontakt zu Menschen, die ihr behilflich sein sollten, ein Buchprojekt über ihren Emil anzugehen.


Foto Georg Anderhub

Mansers Werk weiterspinnen
In der Zwischenzeit hat sich eine Gruppe zusammengefunden, die das Unterfangen mit Tatkraft vorantreibt. Neben Anita Bucher wirken da der Grafiker Erich Brechbühl, der Pfarrer Justin Rechsteiner und der Fotograf und Journalist Georg Anderhub mit. Das Konzept, das in den vergangenen Monaten erarbeitet wurde, sieht vor, die Plakate Mansers sowie Fotografien und andere Dokumente aus seinem Nachlass zu konfrontieren mit Zeugnissen von Menschen, die sich mit Manser und seinem Wirken auseinandersetzen. Auf diese Weise soll das Werk des gebürtigen Appenzellers in angeregter und anregender Weise weitergesponnen werden. Ausser Texten verschiedenster Autorinnen und Autoren werden bildnerische Werke – Zeichnungen , Plakate und Illustrationen, Comics, Fotografien und Objekte - breiten Raum einnehmen. Daneben sollen auch einfache Zeugnisse von Menschen ihren Platz finden, die von ihren Begegnungen mit Emil Manser erzählen: Anekdoten, Briefe oder Gedichte.

Breite Palette von Beiträgen
Bisher haben sich – nebst Stadtpräsident und Vorwortverfasser Urs W.Studer - rund 30 Autorinnen und Autoren spontan bereit gefunden, einen Beitrag an das Buch zu leisten. So darf man etwa gespannt sein, was dem Theatermann und Kulturpreisträger Louis Naef zum Strassentheater eines Emil Manser einfallen wird. Nationalrat Hans Widmer ist der wohl bekannteste einer ganzen Reihe von Menschen aus den Bereichen Philosophie und Theologie, die sich mit Mansers Spruchweisheiten und Lebensweise auseinandersetzen wollen: Heidi Pfäffli, Li Hangartner, Roland Neyerlin, Sepp Riedener, Justin Rechsteiner....Anrührend sind die bereits vorliegenden Erinnerungen des ehemaligen Coop-Winkelried-Filialleiters Peter Merz und des Coop-Metzgers Hans Felder. Sie hatten Manser als regelmässigen Kunden kennengelernt, der im Laden mitunter mit überraschenden Einfällen für Stimmung sorgte. Kunstmaler Ernst Kost, der Emil schon zu Lebzeiten porträtierte, hat für die Publikation nebst seinem Bild auch ein Gedicht zur Verfügung gestellt.
Eine ganz besondere Sicht wird der Expeditionsleiter und Grenzgänger Andrea Vogel in das Werk einbringen können: Er war vor einigen Jahren während drei Tagen zusammen mit Emil Manser in den Strassen Luzerns als Sandwichman unterwegs. Dass auch der Willisauer Plakatgestalter Knox Troxler seine Reaktion auf den Plakatgestalter Emil Manser (natürlich in bildhafter Form) formulieren wird, macht das Initiativteam besonderes zufrieden. Genau so viel Vorfreude löst aber auch das Mitwirken von Künstlerinnen und Künstlern wie Eva Zwimpfer, Roland Pirk-Bucher, Gabor Fekete oder Catherine Huth und Pia Frey (Huthundfrey) aus. Mit Beni Notter, Paula Troxler, Rahel Eisenring, Claudia Schumacher, Christof Fischer und Luca Schenardi konnte auch eine ganze Reihe von profilierten jungen Illustratoren und Comics-Gestalterinnen für das Buch gewonnen werden. Eine besondere Rolle werden ausserdem die Fotos von Marco Sieber spielen: Er hat Plakate von Emil Manser an ausgesuchten Orten in der Stadt Luzern inszeniert.
Dass jüngst mit Jean-Pierre Monti, dem Generalsekretär des Verbandes Schweizerischer Polizeibeamter, auch ein Vertreter der Polizei sein Mitwirken zugesagt hat, entbehrt nicht einer gewissen Brisanz: Schliesslich war Mansers Frotzeln gegen die Polizei („War schlecktester in Sonderschule Aber Bezter in Pholizei Schuhle“) geradezu notorisch. Monti hat aber auch weitere spannende Anknüpfungspunkte, um sich mit Manser auseinanderzusetzen – ist er doch diplomierter Korrektor und ausgebildeter Sänger. Wie hiess es doch auf einem Plakat Mansers: „Badzeli oder ich singe“.


Foto Georg Anderhub

Ausflug nach Afrika
Ein spannender Ausflug nach Moçambique ergab sich aus einer Absage. Der Künstler Hans Rudolf Ambauen schrieb an das Projektteam, dass er auf ein Mitmachen verzichte. Auf einer seinem Brief beigelegten Karte erwähnte er aber, dass er auf einer Reise vor vielen Jahren Kenntnis erhalten habe von einem Mann, der in Lorenco Marques (später Maputo), der Hauptstadt von Moçambique, während längerer Zeit mit selbstbeschriebenen Plakaten an einer belebten Strasse gestanden sei. Eine Rückfrage beim Schriftsteller und Afrika-Kenner Al Imfeld ergab, dass dieser Manser-Doppelgänger tatsächlich existiert hat. Seine Spezialität waren Plakate, auf denen jeweils nur ein Buchstabe zu lesen war (den seine Leser dann auf verschiedenste Weise zu interpretieren versuchten). Und Imfeld, wie konnte es anders sein, hat schon mal einen Text über den Mann verfasst. Gut möglich, dass in der Hommage an Manser auch dieser Ausflug auf die südliche Hemisphäre Platz finden wird.
Alles in allem verspricht das Buch, dem Erich Brechbühl auch eine Manser-gemässe besondere Gestaltung zu verpassen verspricht, ein lebendiges, buntes Denkmal für einen Menschen zu werden, der Luzern seinen besonderen Stempel aufdrückte. Fast unumgänglich, dass Mansers Grabspruch auch zum Titel des Buchs erkoren wurde: Ist mir grosse EHRE von gleicher Sorte zu sein.

Ohne Geld geht’s nicht Selbstverständlich ist die Herausgabe eines Buches auch ein Unterfangen, das Geld kostet. Das Projektteam ist aber optimistisch, dass die in diesen Wochen lancierten Gesuche um Beiträge an private und öffentliche Kulturförderungsinstitutionen von Erfolg gekrönt sein werden. Schliesslich, so hält einer der Initianten fest, hat das breite Echo auf den Freitod des Originals ja genügend gezeigt, dass Manser – gewollt oder ungewollt - ein Kulturträger und ein besonderer Farbtupfer im Grau des Luzerner Alltags war. Das rechtfertigt in seinen Augen als Zugabe auch die kleine Ausstellung, mit der im kommenden Frühjahr an Manser erinnert werden soll – rechtzeitig zur Vernissage des Buches, das im Luzerner db-Verlag erscheinen wird.

(Dieser Beitrag wurde publiziert in: Luzerner Woche, 3. August 2005 / S. 11)




db